Kürzlich bin ich erstmals in einem Fischrestaurant in Övelgönne gewesen. Dieser Besuch war in vielfacher Hinsicht beeindruckend. Doch beeindruckend waren leider weder Essen noch Wein – im Gegenteil. Dafür haben mich andere Umstände in Erstaunen versetzt.
Aber der Reihe nach. Zunächst einmal ein paar Worte zu Övelgönne: Das ist so etwas wie die gute Stube Hamburgs. An einem sonnigen Tag tummeln sich dort die Menschen, mit Hamburg-Besuchern geht man dort gern hin – beziehungsweise besser: man fährt dorthin, mit einer HADAG-Fähre. „Mit einem Schiff? Linien-Schiff? Wie in anderen Städten Busse?“ – Ja genau so.
In Övelgönne gibt es eine Vielzahl an Restaurants, dahinter schließt sich gleich ein Sandstrand an, an dem die Strandperle, ein Kiosk, steht. Das ganze ist sehr fein und sehr hamburgisch, denn man befindet sich direkt an der Elbe. Gegenüber, am anderen Ufer, stehen die Verladekrane, Container stapeln sich und mit etwas Glück fährt ein nicht zu kleiner Containerfrachter gemächlich vorbei. Wie gesagt: Övelgönne ist so etwas wie die gute Stube, die man gerne bei Sonnenschein herzeigt. „Guck doch ma, wie schön es hier ist!“ Es ist auch wirklich schön dort – ich jogge dort regelmäßig vorbei und wenn nicht zuviel Menschen unterwegs sind, ein Schiff den Hafen hineinfährt, das ist schon alles sehr hübsch dort.
Aber zurück zum Fischrestaurant Hoppe. Ich bin dort in einer größeren Gruppe gewesen. Es war Besuch aus Schottland da und die Organisatoren des Abends wählten dieses Restaurant als Treffpunkt aus. Als ich die Gaststube betrat, fiel mir sofort die niedrige Decke auf. Der Gastraum wirkte wie ein vergrößerter Wintergarten – zur Elbe hin viel Glas, die andere Seite ist mit dunklem Holz getäfelt, Wände und Decken. Da zwischen finden sich Dekoelemente wie ein Steuerrad. Und Schiffslampen. Und Weihnachtssterne. Weihnachtssterne im Sommer? Ja, und nicht zu wenige. Hinter einer durchgehenden Bank standen mehrere Weihnachtssterne. Nun, wenn sie doch noch gut sind!
Das irritierte mich schon etwas, aber der größte Schock stand mir noch bevor. Ich bestellte eine Flasche Wein – einen Grauburgunder – die Bedienung schenkte mir zum probieren ein und der Wein war lauwarm. Viel zu warm. Ich antwortete also auf die Frage, ob der Wein recht sei mit: „Nein, der Wein ist zu warm, der muss kälter sein.“ Die logische Antwort: „Ich bringe Eiswürfel.“ Meine Gesichtszüge entglitten dann offenbar so sehr, dass die Bedienung hinterher schob: „Für den Weinkühler.“ Gut. Immerhin, der Weinkühler war natürlich auch warm und hätte seinen Zweck sowieso nicht erfüllen können. Besonders gut geschmeckt hat der Wein übrigens auch gekühlt nicht. Und das, obwohl ich mich dazu überreden ließ, Eiswürfel in den Wein zu tun.
Das Essen war immerhin ganz ok. Ich hatte eine Maischolle, die war saftig, hätte allerdings etwas knuspriger gebraten sein können. Auch die anderen Gerichten waren soweit ok. Insgesamt ist die Karte sehr gediegen. Es gibt Lachsfilet, Zander, Scholle, Hering, Aal, Seezunge – Fisch in allen Variationen. Wer sich nicht entscheiden kann, nimmt die Fischplatte „Käpt‘n Kroll“ – vier verschiedene Fische und Shrimps.
Eine Weinkarte gibt es auch – die habe ich allerdings erst nach dem Restaurantbesuch zu Gesicht bekommen, als ich mir den Online-Auftritt angeschaut habe. Auf der Speisekarte waren lediglich drei Weißweine aufgeführt: Jener Grauburgunder, ein Silvaner und ein Müller-Thurgau. Eine recht bescheidene Auswahl für ein Fischrestaurant, wie ich dachte. Aber jetzt weiß ich: es gibt ja noch eine größere Auswahl. Ob das die Kompetenz des Personals in Sachen Wein erhöht – ich habe Zweifel.
Das Restaurant scheint trotz allem zu laufen. Ich habe mich gefragt, wer da wohl so hingeht. Eine Antwort habe ich gefunden. Da gehen die Hamburgerinnen und Hamburger der älteren Generation hin, die es nach dem Krieg zu etwas gebracht haben, wie man so sagt: Der Busfahrer, der sich in die Verwaltung hochgearbeitet hat, der Postrat mit seiner Frau (jedes Jahr im Mai, zur Maischollenzeit), dann gibt es das Paar (er ist leider schon verstorben) das dort jedes Jahr am Hochzeitstag hinging, und die Witwe hält die Tradition aufrecht und geht am Hochzeitstag mit ihren zwei Töchtern dorthin. So betrachtet ist das Fischrestaurant Hoppe ein interessanter Ort, ein Ort des bundesrepublikanischen Wohlstands der Nachkriegsgeneration. Dazu gehört ja auch die gute Stube. Und ein leicht anderer Weingeschmack, zumindest in Norddeutschland.







